Ein Jahr mit Hund in Hamburg – ein knallharter, nur teilweise romantisch verklärter Blick zurück

Finn beim Spielen
Finn beim Spielen am ersten Tag

Wie schnell vergehen 365 Tage?!?! Heute vor einem Jahr sind wir mit einem rotem Halsband zum Flughafen gefahren und seitdem geht ein Fellmann mit uns durchs Leben.

Nun ist ein Rüde in der Pubertät eigentlich kein guter Moment, romantisch zurück zu blicken – die Romantik zwischen Finn und mir bleibt aufgrund seiner pubertären Attitüden gerade etwas auf der Strecke ;) Es ist noch keine 24 Stunden her, dass ich zum Beispiel frustriert etwas davon ins Telefon geschnaubt habe, dass wir uns das Geld für’s Kastrieren einfach sparen können, weil ich nämlich große Lust hätte, selbst Hand anzulegen… und ich glaub, da war das ein oder andere weitere unfreundliche Wort dabei… Aaaaaaaber: Ich schnaube immer nur ein paar Minuten. Wie alles im Leben hat auch ein Hund zwei Seiten. Plus zehn gute ;)

Wenn ich also objektiv zurück blicke, dann schafft ein Hund es, ein ganzes Feuerwerk an Emotionen in einem zu zünden. Wenn unter euch Leser sind, die noch nie einen Hund hatten, werden die mich nach diesem Artikel möglicherweise für geisteskrank halten. Oder für psychisch nicht ganz fest im Sattel. Und das ist etwas, was ich vorher tatsächlich nicht gedacht hätte: ein Hund packt einen emotional von oben bis unten. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Finn unser erster Hund, ein Rüde, erst ein gutes Jahr alt, ein Mischling mit unklaren Wurzeln oder ein Findelkind mit unbestimmter Vergangenheit ist – Fakt ist: Unsere ersten 365 Tage möchte ich um nichts in der Welt missen, aber sie haben uns auch ordentlich durchgerockt.

Ich hab ihn wie verrückt lieb.
Ich war eifersüchtig (mal auf den Hund, mal auf’s Herrchen, wenn er mal für ne Sekunde mehr vom Hund geliebt wurde als ich).
Ich war und bin un-fass-bar glücklich.
Ich bin in regelmäßigen Abständen stocksauer und könnte ihm… siehe oben.
Ich bin stolz. Auf ihn, auf mich.
Ich bin manchmal zutiefst verunsichert. Einer von uns beiden ist kompliziert und hin und wieder echt schwer zu verstehen – und ich glaube, das bin nicht ich ;)
Ich bin so oft so gerührt.
Ich bin auch mal zu Tode genervt.
Ich lache oft aus tiefstem Herzen über ihn.
Und am nächsten Tag habe ich Zweifel daran, ob ich ihm ein gutes Frauchen bin.
Ich empfinde grenzenloses Vertrauen.
Und dann wieder die Unsicherheit, dass man sich nie sicher sein kann, wie ein pubertärer 30-kg-Mischlingsrüde aus unklaren Verhältnissen reagiert.
Und egal, was sonst ist – immer und immer habe ich ihn wie verrückt lieb.
Pfote

Klingt wie ne Beziehung – ist auch eine, irgendwie. Wir lernen nie aus. Ich über ihn, er von mir und vor allem: ich über mich. Ein Hund spiegelt so krass die eigene Persönlichkeit. Ich habe gelernt, dass ich so ganz und gar nicht klar kommuniziere, wenn ich oft glaube es zu tun. Dass konsequentes Handeln schwieriger ist als ich dachte. Dass mein Hund selbstbewusster und stärker wird, je stärker ich bin.

Und das alles ist eine großartige Erkenntnis: Ein Hund lebt nicht nur irgendwie nebenher mit. Er macht ganz viel mit „seinen“ Menschen. Und er sorgt dafür, dass seine Menschen neue Menschen kennen lernen – und das ist ebenfalls ein Nebeneffekt, dessen wir uns nicht bewusst waren, aber den wir auf keinen Fall missen wollen. Es gibt gut zehn Personen, die im vergangenen Jahr zu Bekannten oder sogar Freunden geworden sind, die wir ohne Finn nicht kennen würden.

365 Tage Hunde Rock’n Roll und wir freuen uns auf die nächsten 4.745 Tage (mindestens!).

 

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