Warum Hundehalter miteinander reden sollten

Als Frauchen eines unkastrierten jungen Rüden habe ich eins gelernt: Achte bei Hundebegegnungen genau auf den Hundehalter des anderen Tieres. Noch besser: Kommuniziere mit ihm, bevor die Hunde so richtig miteinander in Kontakt kommen. Das kann einem einiges Gemotze und Gezeter ersparen, sowohl unter den Hunden als auch unter den Menschen. Zwei Beispiele:

Neulich sichten wir auf der Hundewiese in einiger Entfernung eine Oma und ihren angeleinten Dackelmischling. Oma bleibt stehen. Oma glotzt, Dackel glotzt. Ich rufe ihr zu: „Kann ich meinen ableinen?“ Oma glotzt, Dackel glotzt. Unvorsichtigerweise werte ich das als Ja. Ist schließlich ne Hundewiese und wer dort stehen bleibt, suggeriert mir Gefahrlosigkeit. Ich mache Finn also los, der trabt erstmal ganz entspannt hierhin und dorthin – dann aber doch zielgerichtet auf den Dackel zu. Der bekommt einen cholerischen Wutanfall und möchte Krieg. An der Leine. Für meinen leinenlosen pubertierenden Jüngling eine willkommene Einladung. Auf ihn mit Gebrüll! Hat der Oma am anderen Ende der Dackel-Leine nicht so gut gefallen. Nachdem ich das Knäuel entzerrt habe (ist natürlich nix passiert), sagt Oma mit zittriger Stimme: „Ach, ich habe das geahnt“. Aha. Wäre ja schön gewesen, man hätte ein Tönchen gesagt. Dann hätten Dackel und Oma sich die Aufregung erspart.

Nicht immer verlaufen Hundebegegnungen so entspannt wie diese hier zwischen Finn und  Labrador Lucky
Nicht immer verlaufen Hundebegegnungen so entspannt wie diese hier zwischen Finn und Labrador Lucky
Ein paar Wochen vorher sind Finn und ich im Schanzenpark einem jungen Rüden begegnet, der zwar etwas älter ist als Finn, aber doch nicht alt genug, als dass er meinen so richtig beeindruckt hätte. So steigt mein Draufgänger schön auf dessen Rücken, um zu dominieren. Er macht es einmal, er macht es zweimal – und beim dritten Mal gibt es aber so richtig einen auf die Mütze. Von beiden Seiten. Das dazugehörige Frauchen giftet mich an, dass ich meinen Hund früher hätte zurück nehmen sollen. Ich bin überrascht, denn klar – es kann zu etwas Gemotze kommen, aber meist klären es die Hunde ja dann unter sich, und das ist für einen jungen Hund wie meinen eben auch eine sehr lehrreiche Lektion. Dennoch respektiere ich, dass manche Hundebesitzer ein Problem damit haben, wenn Rüden gegenseitig „aufsatteln“ – und so frage ich nun immer, ob der andere Hund sich von allein wehrt oder ob ich meinen prophylaktisch weg nehmen soll.

Noch zwei extrem wichtige Sätze:

„Ist die läufig?“ Wobei das eindeutig der Hundehalter der läufigen Hündin als allererstes anzeigen sollte – machen aber leider nicht alle. Unerklärlich, aber wahr.
Und: „Meiner ist jung und nicht kastriert“ – meine neueste Einleitung bei den meisten Hundebegegnungen, manchmal noch vor dem ersten Hallo. So hat man gleich geklärt, was Sache ist, und kann sich zurückziehen, falls der andere Hund auf den Typ „stürmischer Jüngling“ nicht so richtig kann. Ich mache das nicht, weil Finn sonderlich unfreundlich zu anderen Hunden ist. Sondern weil manche Konstellationen – gerade unter Rüden – einfach naturgemäß nicht so gut harmonieren. Und man möchte sich und dem Fellmann ja Keilereien ersparen – wobei: Eigentlich eher nur sich. Der Fellmann kloppt sich im jugendlichen Übermut gerade doch auch schon mal ganz gern, möchte man manchmal meinen ;)

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