Einmal Rüde und wieder zurück: Willkommen, Hormon-Chip!

Das Thema Kastration treibt uns seit den allerersten Finn-Monaten um. Gibt es ein Thema in der Hundewelt, das widersprüchlicher diskutiert wird?! Ok, die Ernährung. Aber gleich danach kommt die Kastration.

Ein kleiner Auszug aus der schizophrenen Welt einer Rüden-Besitzerin:

– #These 1: In der Stadt ist es für einen Rüden eine Qual, nicht kastriert zu sein. Die ständige Reizung durch eine Vielzahl anderer Rüden und Weibchen in direkter Nachbarschaft machen den Hund ganz verrückt. Daher: Kastration!
– #These 2: Wer zu früh kastriert, schadet dem Tier insofern, dass es nicht wirklich reif werden kann, sondern unsicher und im schlimmsten Fall aggressiv wird. Was „zu früh“ heisst? Ansichtssache. Denn kommen wir gleich zu…
– #These 3: Wer zu spät kastriert, kann an einem möglichen Rüpelverhalten nichts mehr ändern, weil es sich schon charakterlich gefestigt hat.
– #These 4: Ein Hormon-Chip ist eine sehr gute Möglichkeit, die Auswirkungen einer Kastration auf den Hund zu testen: Wird er ruhiger? Wird er lethargisch? Gerät er in Konflikt mit anderen Rüden?
– #These 5: Ein Hormon-Chip bringt den Hormon-Haushalt des Hundes völlig durcheinander und ist daher auf keinen Fall ratsam.

Joah. Was also tun? Aufs eigene Bauchgefühl verlassen. Und das sagt jetzt nach etwas mehr als 2,5 Jahren: Es ist Zeit! Weibchen sind bei Finn das zweitrangige Problem – viel schlimmer ist bei ihm die Rüpelei an der Leine in Gegenwart anderer angeleinter Rüden. Und ja, ich weiß, nun heisst es schnell: Das ist eine Erziehungssache und keine Frage der Kastration. Den Menschen mit diesen klugen Ratschlägen gebe ich gern mal dieses hyperventilierende, keifende Rumpelstilzchen an die Hand, wenn es in Wallung gerät. Und dann reden wir nochmal über Möglichkeiten der Intervention…
Ohne Leine reisst er sich übrigens zusammen und geht möglichem Stress weitestgehend aus dem Wege. Dann aber kommt das Thema Weibchen wieder ins Spiel: Ohne Leine verliebt es sich nämlich auch schneller, und beflügelt vom Duft der Frauen wird die ausgewählte Dame wie durch einen Bindfaden verbunden durch den ganzen Park verfolgt…

Weil wir keine Freunde der nie wieder rückgängig zu machenden Maßnahmen sind, ist für uns der Hormon-Chip das Mittel der Wahl. Erweist er sich als wirkungsvoll, folgt in einem halben Jahr die richtige Kastration. Es ist ein Versuch – und ich bin überzeugt, er wird unseren Finn solange schon nicht aus den Schuhen hauen. Unsere Tierärztin ist sogar optimistischer als ich, dass der Chip ihn entspannen wird. Dass wir nicht gleich „richtig“ kastrieren hängt damit zusammen, dass hinter Finns Pöbelei meiner Meinung nach Unsicherheit steckt. Und wie sich eine Entmannung auf einen im tiefsten Inneren unsicheren Hund auswirkt, ist eben nicht ganz vorhersehbar…

Bis dass überhaupt eine Wirkung einsetzen kann, müssen nun aber erstmal sechs Wochen überstanden werden, in denen Finns Hormone Karussell fahren. Das eigentliche Wirkungszeitfenster entspricht drei Monaten, bevor die Wirkung dann über weitere sechs Wochen langsam wieder abnimmt.

Gekostet hat uns diese chemische Kastration etwas mehr als 100 Euro. Der Chip wird mit einer Art Spritze ohne Narkose zwischen die Schulterblätter gesetzt – dauert keine 10 Sekunden.

Und dort entfaltet er nun klammheimlich sein Wirkung. Wir sind gespannt und werden berichten…

+ + + Nachtrag: Nach 1,5 erfolgreichen Jahren mit Kastration per Hormon-Chip ohne negative Wesensveränderung oder Gewichtszunahme haben wir Finn letztlich per OP kastriert. Dazu mehr hier. + + +

3 Gedanken zu “Einmal Rüde und wieder zurück: Willkommen, Hormon-Chip!

  1. Hallo.
    Ich bin sehr interessiert und hin und her gerissen bezüglich des Themas Rüde kastrieren, Hormonchip setzen oder doch noch bis zum dritten Lebensjahrabwarten… nur wollte ich einmal wissen, wie bisher das Resultat bei Finn ist. Ist er ruhiger mit anderen Rüden an der Leine, hatte er Probleme mit der Umstellung und hat man das Gefühl, „warum habe ich das nicht früher gemacht? !“
    Freue mich auf eine Antwort

    • Hallo Rike,
      der Blogbeitrag zu diesem Thema steht noch aus, aber schon mal an dieser Stelle: Nein, nach meinem Eindruck hat sich die „Leinenagression“ nicht verändert. Vielleicht marginal – aber wir können es nicht genau sagen, weil sie erfahrungsgemäß mit dem Alter auch abnimmt. Und wenn er nun bei dem ein oder anderen Hund mal weniger sauer ist, dann wissen wir nicht, ob es am nahenden dritten Geburtstag liegt oder am Chip. Das macht die Sache wirklich nicht leichter… Eine letztendliche Beurteilung haben wir wohl erst dann, wenn der Chip seine Wirkung wieder verliert. Bis dahin bin ich eher enttäuscht. Aber Weibchen interessieren ihn (noch) weniger als vorher, das merkt man schon. War ja nur leider nicht unser vorrangiges Ziel… Seufz.

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