Mit Hund Silvester überstehen

Finn sucht Schutz in seinem Mauseloch
Finn sucht Schutz in seinem Mauseloch

Hund und Silvester – die vierte. Dreimal hat Finn uns schon klar zu verstehen gegeben, was er von Silvester hält: nüscht. Beim letzten Mal wurde diese Haltung in der Neujahrsnacht angesichts feuerwerksverrückter Urlaubsnachbarn mit übel riechenden, braunen Lachen auf dem Teppich der dänischen Mietwohnung unterstrichen. Ein Hoch auf die Versicherung…

Ein viertes Mal haben wir uns also Anfang Dezember gefragt: Was tun mit Hund an Silvester? Nachdem wir den Jahreswechsel heute, am 2. Januar 2016, erfolgreich hinter uns gebracht haben, kann ich sagen: Wir haben zwar nicht die Formel für hundefreundliches Feuerwerk gefunden, aber immerhin für ein Silvester, das Finn einigermaßen gut weg stecken kann.

Die Zutaten:

– Raus aus der Stadt, aber nicht raus aus einer vertrauten Umgebung.
In den vergangenen Jahren sind wir nach Dänemark geflüchtet, um uns und dem Hund Ruhe und Entspannung am Meer zu gönnen. Dem Feuerwerk konnten wir dort jedoch leider nicht entkommen, und Feuerwerk in Verbindung mit einer völlig unbekannten Umgebung war bei Finn ganz und gar keine gute Kombination. Das wendländische Dannenberg dagegen, das Finn seit frühesten Welpentagen durch regelmäßige Besuche bei Senior-Frauchen und Senior-Herrchen kennt und liebt, ist ihm vertraut und er weiß: Hier bin ich Hund, hier darf ich’s sein :-) Selbst wenn es dort auch mal knallt, ist er nicht sofort völlig aufgelöst und glaubt daran, dass jeder neue Spaziergang doch wieder eine neue Chance verdient hat.

– Unser Freund, die Schleppleine
Die Schleppleine begleitet uns sowieso auf vielen Spaziergängen in unbekannten Gefilden. Gerade rund um Silvester ist sie aber tatsächlich absolut unentbehrlich. Sollte es in direkter Nähe knallen, wäre ich nicht sicher, ob Finn nicht die Flucht ergreift und nach Hause rennt. Je nachdem, wie weit man gerade von dort entfernt ist, keine schöne Vorstellung… Mit Schleppleine hat er seinen Freiraum, und dennoch ist er für uns jederzeit „greifbar“.

– Am 31. Dezember: Rolladen runter
Dieses Jahr habe ich verstanden: Das Knallen ist schon schlimm genug. Aber Knallen in Verbindung mit Lichtblitzen ist das Übelste allen Übels. Dann rennt der Hund im Angesicht des nahenden Todes mit eingezogenem Schwanz in das nächstbeste Mauseloch. Heisst also: Im Zimmer, in dem sich der Hund am meisten aufhält, Rolladen runter. So einfach, so effizient.

– Für den Fall der Fälle: Viel Knochen, wenig Fleisch
Nachdem wir vor zwölf Monaten bitter erfahren mussten, dass Finn große Angst auf den Darm schlägt, gab’s dieses Jahr am 31. Dezember einfach mal nur ne Mini-Ration an Fleisch, dafür aber einen großartigen Feiertagsknochen. Der sorgte einerseits für Ablenkung und Glückshormone, andererseits ist damit einfach nicht so viel Weiches im Darm, was sich im Fall der Fälle auf dem Teppich entleeren könnte. Einmal im Jahr ist Knochenkot gar nicht so schlecht ;)

– Um Mitternacht: Musik aufdrehen und Feuerwerk übertönen
Vielleicht überlegen wir uns nächstes Jahr frühzeitig eine passende Compilation. Dieses Jahr war bei den Eltern nur ABBA schnell zur Hand – nun ja, Musik ist Musik ;) Und sie hat gewirkt.

– Pflanzliche Glückspillen
Über Beruhigungsmittel liest man so einiges im Netz – dass es welche gibt, die den Hund körperlich ruhig stellen, Emotionen und Geist aber in völliger Aufruhr zurück lassen. Eine beruhigende Medizin gegen Feuerwerksangst will also sorgfältig gewählt sein. In den vergangenen zwei Jahren versuchte ich es mit Bachblüten – ob ich zu spät angefangen habe oder ob der Glaube eben doch keine Berge versetzt, ich weiß es nicht. Fakt ist: Geholfen haben die Finn nicht.
Dieses Jahr hörte ich mich auf der Hundewiese um (wo mir Zylkene in Verbindung mit Adaptil empfohlen wurde) und holte daraufhin professionellen Rat bei unserer Tierärztin Sinet ein. Ihr Rat: Sedarom als Tabletten, ist auch pflanzlich wirkt aber schneller als das Zylkene (das 30 Tage Vorlauf braucht), Adaptil unterstützend – alleine wäre es ihrer Meinung nach nicht genug.
So begannen wir am 24. Dezember mit 3 Tabletten Sedarom täglich und unterstützen am 31. Dezember mit 2 Rationen Adaptil in Tablettenform (die erste um 17 Uhr, die zweite um 23 Uhr).

Und das Ergebnis:

Mitternacht schlief der Hund zu meinen Füßen. Das hat uns angesichts der vergangenen drei Jahre so überrascht, dass wir uns zwischenzeitlich fragten, ob er nun nen Herzinfarkt bekommen hat, oder ob unser Plan tatsächlich aufgegangen ist… Tagsüber irritierten die Knaller ihn nach wie vor. Es gab Phasen, da wirkte er auch deutlich ängstlich – aber er ging mit mir immer optimistisch vor die Tür und gab jedem Tag eine neue Chance. Das haben wir in Dänemark ganz anders erlebt, wo über vier Tage lang jeder Gang ein einziges Ziehen und Zerren war und eigentlich gern vermieden worden wäre, wenn es nach Finn gegangen wäre… Gepieselt wurde um 16 Uhr das letzte Mal, dann erst wieder drei Uhr morgens. Na ja, großer Hund = große Blase. Einmal im Jahr schafft er das.

Würde es nach Finn gehen, würde man Silvester nach wie vor einfach abschaffen. Aber den Stress haben wir auf diese Weise zumindest soweit reduziert, dass wir uns um Teppich und Hund keine größeren Sorgen mehr machen müssen. Frohes Neues Jahr :-)

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