Kastration beim Rüden: Erst Hormon-Chip, dann OP

img_20161017_103454Den heutigen Tag hat sich der Fellmann wohl anders vorgestellt. Nix mit frei über Wiesen und Wälder galoppieren, einen auf dicke Hose machen, mit Hunde-Kumpels im Schanzenpark zeigen, wo der Hammer hängt – denn da hängt seit heut nix mehr. Japp, keine love is mehr in the air.

1,5 Jahre haben wir per Hormon-Chip kastriert und wir sind mit der Methode absolut zufrieden gewesen, wie man hier nachlesen kann. Keine Wesensveränderung, keine Gewichtszunahme, keine sonstigen Nebenwirkungen, lediglich die erwünschte Gelassenheit gegenüber der Damenwelt. Der Kastrationstestlauf per Hormon-Chip hat sich also gelohnt – und nun, im Alter von vier Jahren, machen wir ernst. Ein bisschen schweren Herzens irgendwie, aber dass es für den Rüden in der Stadt weniger stressig ist, nicht ständig im Alpha-Tier-always-on-Modus durch die Straßen prollen zu müssen, das ist irgendwie nachvollziehbar. Auch wenn ich sonst sehr für eine Wahrung des Zustands bin, den Mutter Natur erschaffen hat. Wichtig war uns bei der Kastration dann aber doch, dass Finn in seiner kastrierten Version nicht zu einem verunsicherten Loser-Hund wird, der von allen eins auf die Mappe bekommt. Aber nö, die Gefahr besteht ja eher andersherum ;)

Was bei der OP für eine Kastration im Vorfeld zu beachten ist: Der Hund muss 12 Stunden nüchtern sein. Und damit ist nicht zu spaßen! Unser Nervbüdel hatte bereits vor zwei Wochen ein OP-Termin, hat aber auf dem Weg zum Tierarzt eine kleine Brotscheibe to go aufgegabelt – und schon war der Termin geplatzt. Während der Narkose kann der Mageninhalt hoch kommen und das Tier im schlimmsten Fall daran ersticken. Also: Keine 12 Stunden nüchtern = keine OP.

Zusätzlich zu zwei Hoden wurde Finn heute während der Narkose noch ein Backenzahn entfernt. Dazu hier mehr – es zwickt nun also gleichzeitig hinten und vorne. Dafür haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

img_20161017_111925Die Narkose ist ja son Ding, das einem etwas an die Nieren gehen kann, wenn man ein Stadtkind mit Ersthund ist: Hund bekommt Spritze, zehn Sekunden später sackt er leblos in Herrchens Armen zusammen. Irks. Ich habe das heute nicht selbst mit angesehen, sondern den Kelch an das Herrchen weiter gereicht (danke, dass Du der mutigere von uns beiden bist!!). Dann die OP, dann eine zweite Spritze, die Hallo-wach-Version der ersten. Hallo-wach heisst bei Finn aber seit inzwischen 10 Stunden: Er geht selbst keinen Meter und er jammert gottserbärmlich vor sich hin – in seine Dreikilometer-Halskrause, die ihn zwar sehr effektiv vom Lecken abhält (er versucht es durch das Plastik trotzdem zwischendurch, die Blitzbirne), die diese ganzen Leidensgeräusche aber schön laut zu mir hintrichtert.

img_20161017_125013Ohne Witz – mir wurde gesagt: Aaaaach, kleiner Schnitt, gar nicht schlimm. Dafür jammert er nun aber seit Stunden, als gäb es kein Morgen mehr! Einatmen – ausfiepen. Einatmen – ausfiepen. Alle zehn Atmer mindestens ein tragischer Jauler oder eine ganze Jaul-Arie. Eine bislang nie gehörte Abfolge von Tönen, die uns ernsthaft irritiert. Finn ist für sein lautstarkes Bell-Organ bekannt. Jaulen habe ich ihn in seinem bisherigen Leben vielleicht fünf mal gehört – und nie in dieser Intensität und Dauer (heisst: seit Stunden). Offensichtlich ist es das Morphium, das ihm zu schaffen macht, und weiß Gott was für nen Film in seinem Hundehirn abspult. Das sagt zumindest Sinet, unsere Tierärztin. Und hinzu kommt, dass vermutlich vorne und hinten alles ziepst und nervt. Ich kann es schon verstehen, es ist alles kacke.

Wer mal reinhören will in das Leiden Finni – schön laut aufdrehen für das volle Erlebnis unserer heutigen Dauerbeschallung:

Trotz allem halten wir nun mutig die kommenden zehn Tage aus, die auch kacke werden. Kein Freilauf, nur kurze Leine. Vor allem: Halskrause. Die 3km-Trichter-aus-der-Hölle-Art von Halskrause, die er hasst wie die Pest. Aber wir wissen schon, dass er sich nach 2-3 Tagen dran gewöhnt und dann sogar lernt, damit Kaustangen zu bearbeiten.

Heute wird aber noch nix bearbeitet. Heute wird gelitten. Lautstark. Ich hoffe, wir schaffen es irgendwann zum Pipi-Machen vor die Tür – bislang ist man allerdings noch keinen Meter gelaufen, selbst Leberwurst reicht nicht als Aufsteh-Lockmittel, führt nur zu steifem Hals, der gierig empor gereckt wird.

Ich hatte mir das unterm Strich etwas weniger dramatisch vorgestellt. Ob das nun an Drama-Finn liegt oder an seiner Größe oder ob das einfach der ganz normale OP-Tag-Wahnsinn ist – ich weiß es nicht. Dass er den ganzen Tag keinen Meter geht und auch jetzt am Abend nicht die geringsten Anstalten macht, hätten wir nicht erwartet. Deshalb: Handtuch untern Popo, damit ein mögliches Pipi-Malheur direkt aufgesaugt wird.

Gefressen hat er immerhin heute Abend. Ach, und beim Rausheben aus dem Auto wurde auch tatsächlich wie in nervtötender Gewohnheit ein passierender Fußgänger angebrubbelt (bellen konnte man das nicht so recht nennen, im Vergleich zu dem, wie es sich sonst anhört). Dann kann es ja nicht so schlimm sein. Hey, Männerschnupfen halt ;)

Special thanks to Dr. Sinet Zadil von der Tierarztpraxis Westendvillage – Deine unerschütterliche Ruhe, Dein Humor und das Ambiente Deiner Praxis sind unschlagbar!

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