Dogwalking Hamburg: Und wenn ich mal keine Zeit hab‘ für den Hund?

Bevor wir den Schritt zum Hund in Hamburg gemacht haben, war eine meiner größten Sorgen, dass ich dem Tier zeitlich nicht immer gleichermaßen gerecht werden kann. Ohne Zweifel: Job und Hund lassen sich nicht jeden Tag gleich gut vereinbaren. Urlaub und Hund auch nicht uneingeschränkt. Unsere Jahre mit Hund in Hamburg haben jedoch gezeigt, dass es (mindestens) zwei großartige Lösungen für diese Sorge gibt:

1. Dogwalking Hamburg

In Großstädten sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Services rund um den Hund entstanden. Einer, der für uns Hundebesitzer wohl der größte Segen ist, ist das sogenannte Dogwalking. Das ist in etwa so wie ein Kindergarten für Hunde. Der Hund wird vormittags von zu Hause abgeholt, zusammen mit weiteren Hunden in entsprechend ausgestatteten Bullis ins Grüne (oder Wässrige) kutschiert, tobt sich dort mit den Kumpels aus, und wird am frühen Nachmittag wieder nach Hause chauffiert. Glücklich, ausgelastet und müde. Ein Ausflug dauert inklusive An- und Abreise im Schnitt ca. 4 Stunden. So kann ein Arbeitstag von Herrchen oder Frauchen gut überbrückt werden.

Absolute Voraussetzung für so eine Dienstleistung ist natürlich 100-prozentiges Vertrauen in die Person, die das Dogwalking anbietet. So einen Gassiservice kann ja erstmal jeder aufmachen. Weil Finn groß, eigenwillig und nicht gleich Freund mit jedem Menschen ist, sind wir darauf angewiesen, dass viel Hundeerfahrung und -verständnis im Spiel sind. Wir hatten das Glück, dass wir unsere erste Betreuerin aus der Nachbarschaft kannten und Finn schon als Welpe in sie verliebt war. Inzwischen ist Finn bei der Schnauze unter Vertrag und zwei Mal pro Woche Teil der Hundegang von Janina und Sarah. Die beiden bieten nicht nur Dogwalking an, sondern auch Hundetraining – und damit verbunden ist eben ein geschultes Auge, das voraus sieht, was in dem Finnischen Dickschädel gerade so vor sich geht ;) Wenn sich Hund und Betreuung völlig fremd sind, bieten die Dogwalker in der Regel an, die Gruppe an einem Tag mit dem eigenen Hund zu begleiten. So lernen alle Beteiligten sich ein bisschen kennen und man kann prüfen, ob der Hund mit der Gruppe und man selbst mit dem/der Dogwalker/in harmoniert.

Die Schnauzen-Hundetruppe ist bunt gemischt vom Dackel bis zur Dogge. Ohne Leine versteht sich Finn mit Hunden in der Regel gut und fügt sich schnell in ein Rudel ein – das ist natürlich hundeseitig ebenso eine Voraussetzung für ein funktionierendes Dogwalking. Toll ist bei der Schnauze, dass wir über Facebook immer mal Einblicke in den Tag bekommen und sehen können, mit wem und wo der Fellmann so unterwegs ist. Weder die Hunde-Konstellationen noch das Ziel sind jeden Tag die gleichen: Mal geht es in den Volkspark, mal an die Elbe, mal an andere verwunschene Orte, die von uns nur Finn kennt… Da die Freude bei der Abholung immer groß ist und der Hund nach seiner Rückkehr meist ermüdet auf die Decke plumpst, ist die wichtigste Voraussetzung des Ganzen erfüllt: Er mag’s!

Wieviele Ausflüge pro Woche dem Hund gut tun, ist sicherlich sehr typenabhängig. Eine gewisse Regelmäßigkeit fördert den möglichst stressfreien Umgang miteinander. Finn liebt Action und spielt gern mit anderen Hunden, braucht den Hundetrubel aber nicht jeden Tag. Wir haben uns deshalb auf zwei regelmäßige Dogwalking-Tage pro Woche eingependelt. An den anderen Tagen ist er Herrchens Co-Worker oder bleibt auch mal ein paar Stunden allein in Ruhe zu Hause.

Noch ein Hinweis zum Schluss: Meiner Erfahrung nach sind Dogwalker auch mal ausgebucht und können nicht jederzeit jeden beliebigen Hund aufnehmen. So eine Hundetruppe ist ja nicht endlos erweiterbar. Hinzu kommt, dass sich Dogwalker meist auf ein bestimmtes Abholgebiet fokussieren, damit die Fahrtzeiten zu den Hunden nicht ausufern. Nicht jeder Dogwalker bedient also jedes Viertel. Das bedeutet, man sollte frühzeitig recherchieren, sobald Bedarf für Dogwalking absehbar wird, damit mögliche Wartezeiten noch überbrückt werden können.

2. Hundemenschen lernen andere Hundemenschen kennen

Und was, wenn wir mal so richtig Bock auf einen Städteurlaub haben, der für einen Hund wenig freudvoll ist? Auf alles verzichten? Nö. Früher gab es in meinem Freundeskreis nicht besonders viele Hunde. Inzwischen ist der Hundeanteil gestiegen, weil wir auf der Hundewiese zusätzliche Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen haben. Und sich damit Kontakte ergeben, die sich auch mal aushelfen können. Das kann man natürlich vorher nicht planen. Aber bevor ich auf den Hund kam, wurde mir genau das prophezeit – und auf diesem Wege haben wir zum Beispiel auch eine gute Hundeseele kennen gelernt, die Finn unter ihre Fittiche nimmt, wenn wir mal unseren Menschendingen nachgehen müssen oder wollen. Ohne ihn wären wir aufgeschmissen. Er liebt Finn, seine Hunde lieben Finn, Finn liebt sie – und so quält uns kein schlechtes Gewissen, während Finn Urlaub von uns bei Freunden macht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass einen diese Überlegungen bei der Entscheidung für oder gegen einen Hund ziemlich umtreiben. Das Abwägen, ob man genug Zeit investieren und dem Hund eine echte und dauerhafte Bezugsperson sein kann, ist extrem wichtig. Man holt sich nicht einen besten Freund auf vier Pfoten, um dann die meiste Zeit ohne ihn zu verbringen. Der erforderliche Aufwand und die Intensität sind nicht zu unterschätzen. Aber ich kann denjenigen Mut zu sprechen, die ihre Arbeit nicht jeden Tag mit dem Hund vereinbaren können oder ein Mal im Jahr nicht auf eine Fernreise verzichten möchten. Das Leben mit Hund in Hamburg bietet dafür gute Voraussetzungen!

Danke an Janina und Sarah für die Fotos :-)

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